Ist es “ok”, ins Wohnzimmer zu pinkeln?

Kürzlich bin ich über einen interessanten Beitrag von Gerry McGovern bei usabilitynews.com gestolpert. Gerry beschreibt am Beispiel des in Dialogen häufig verwendeten “OK”-Buttons, wie stümperhaft die Kommunikation zwischen uns und den Computern mitunter ausfällt:

Dialog to Gerry: ‘That does not appear to be a valid number. Please try again [OK]‘
Gerry to us: The OK button stared out at me, and I thought: ‘This is not OK. You’ve told me that I’ve entered an invalid number. Well, it looks pretty valid to me, and even if it is invalid, as you say, you haven’t told me why. You haven’t told me how I can correct the error of my ways.’

Ich empfand diesen Gedankengang als ziemlich erfrischend.

Häufig wird in Dokumenten wie den Windows Vista User Experience Guidelines auf den Gebrauch der Vokablen, den “Ton” der Formulierung bis hin zum Ort von visuellen Elementen hingewiesen. Aber was ist mit der grundlegenden Ebene der Kommunikation?

Dieser Beispieldialog aus den “Guides” lautet zusammengefasst: “Do you want to join [..]?”, “OK”. Hätte es hier nicht heißen müssen “Yes” oder “Yes, I want to”? Eine genauere Betrachtung des Fensters zeigt den Gedankengang des Designers: Die Antwort besteht nicht ausschließlich aus dem “OK”, vielmehr handelt es sich bei der Antwort des Nutzers um eine zusammengesetzte Aussage “I dont’t want to [..] OK”. Und warum ist ein “Join the [..] Program. OK” hier nicht möglich? Und warum variiert die Sprache der beiden Optionen zwischen einer passenden Phrase zur Frage “Ich möchte nicht.” und einem Imperativ “Tritt bei!”? Die Frage lautet doch nicht, ob der Computer beitreten möchte…

Mir kommt es manchmal so vor, als ob Designer wesentliche Aspekte solcher Dialoge vernachlässigen. Zwei Seiten tauschen einander Informationen aus. Die Aussagen sollten dabei zueinander passen.

Bei der Arbeit mit diesem Blogsystem gibt es ein ähnliches Phänomen. Wenn ich eine Grafik für einen Beitrag “hochladen” möchte, bietet mir mein Betriebssystem einen Dialog, um Dateien auszuwählen. Der Schalter zum Bestätigen meiner Auswahl heißt jedoch weder “Auswählen” noch “Hochladen” sondern stattdessen “Öffnen”:

Es mag an dieser Stelle vielleicht pedantisch klingen, aber diese Beschriftung ist ebenso üblich wie irreführend. “Öffne” ich eine Grafik, erwarte ich, dass sich mir der Inhalt der Datei in dem zugehörigen Bildbearbeitungsprogramm zeigt. Die verwendete Beschriftung ist fehl am Platz.

Es stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten dem Designer überhaupt zur Verfügung stehen. Ein Blick in die Internas, dem API dieses Dialogs, offenbart Schreckenhaftes. Selbst wenn der Designer wollte, er könnte den Schalter gar nicht anders benennen! Zwar mag der Blick “hinter die Kulissen” an dieser Stelle etwas zu weit erscheinen, jedoch erweitert er die Perspektive um einen nicht unwesentlichen Aspekt. Die Notwendigkeit, die Beschriftung des Schalters zu variieren, ist vom Hersteller gar nicht antizipiert worden. Für mich sieht das wie ein Henne-Ei-Problem aus.

  • Der Technikhersteller bestimmt, wie die Norm aussieht. Er lässt nur an Stellen, die üblicherweise durch den Designer verändert werden, Ausnahmen zu.
  • Der Designer sieht sich eingeschränkt und/oder verfällt in gängige Praktiken, die das Niveau des Dialogs niedrig halten.
  • Der Anwender findet sich mit suboptimalen Dialogen ab und ignoriert Unstimmigkeiten (oder eben nicht).

Gerry arbeitet gerade den letzten Punkt am Beispiel des “OK”-Buttons amüsant heraus.

It’s like my cat coming into our kitchen and saying. “Hello Gerry. Just wanted to let you know I did a pee in the sitting room. OK.” Well, sorry, it’s not OK. Who decided to call this not-OK button OK? What sort of logic was at work inside their mind? I belong to a group of people that really cares about words.

Auch ich schätze das Wort. Ich glaube fest daran, dass wohlgeformte Sprache den Umgang zwischen Mensch und Maschine verbessert. Vermiedene Verwirrung senkt die Wahrscheinlich von Fehlern und minimiert letztlich Frust.

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